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Was bedeutet Cushing-Syndrom?

Die Erkrankung wurde nach dem US-amerikanischen Neurologen und Neurochirurgen Harvey Williams Cushing (1869-1939) benannt. Er beschrieb diese Erkrankung als erster und hatte ebenfalls einen wichtigen Anteil an der Erforschung der Akromegalie.

Cushing war einer der hervorragensten Neurochirurgen des 20. Jahrhunderts. Als ein Vordenker und Vorreiter führte er zum Beispiel das heute selbstverständliche Narkoseprotokoll zur Kontrolle lebenswichtiger Funktionen ein sowie die routinemäßiger Blutdruckmessung und setzte schon in den 1890er Jahren Röntgenstrahlen zur medizinischen Diagnostik ein.

Einige seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen bereits Anfang des 20. Jahrhunderts: Senkung der Operationssterblichkeit von 90% auf 6%, histologische Klassifikationder Hirntumoren, Hypophysektomie und die Hirnchirurgie.

Morbus Cushing

Das Cushing-Syndrom kann verschiedene Ursachen haben. Grundsätzlich wird diese endokrinologische Erkrankung dadurch verursacht, dass sich zu viel des Hormons Cortisol im Blut befindet. Die Gründe für diesen zu hohen Cortisolspielgel können unterschiedlich sein.

In fast Dreiviertel aller Fälle wird der zu hohe Cortisolspiegel dadurch verursacht, dass der Vorderlappen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ein Übermaß des adrenokortikotopen Homons (ACTH) produziert. Wie kommt es dazu?

Ursache Adenom der Hirnanhangdrüse

Diese Überproduktion wird in der Regel durch einen gutartigen Tumor (Adenom) der Hypophyse ausgelöst. Dabei ist die Besonderheit, dass das Adenom beim Cushing-Syndrom meist extrem klein und damit in bildgebenden Diagnoseverfahren (wie z. B. MRT) nur schwer zu entdecken ist. Obwohl ein MRT selbst Tumoren bis zu nur 2 mm Größe darstellen kann.

Das stark erhöhte ACTH führt dazu, dass die Nebennierenrinden stark vermehrt Cortisol ausschütten.Cortisol ist auch bekannt als ein  Stresshormon, denn ein Teil der typischen Stressreaktion des Körpers ist die Ausschüttung von Cortisol ins Blut.

Stresshormon Cortisol

Damit sorgt der Körper dafür, dass bei der Stressreaktion der Blutzuckerspiegel erhöht wird, um damit Energie für Flucht oder Kampf bereit zu stellen, Blutvolumen und Blutdruck werden gesteigert für körperliche Höchstleistungen, gleichzeitig hemmt Cortisol Prozesse, die Energie kosten (z. B. die Abwehr von Krankheitserregern oder die Schmerzempfindung).

Es können auch gutartige Zellwucherungen direkt an den Nebennieren die überhöhte Cortisolausschüttung verursachen. Bei der Verursachung durch ein Hypophysen-Adenom spricht man von Morbus Cushing. Der Morbus Cushing ist damit die häufigste Ursache eines Cushing-Syndroms. Unbehandelt führt er nicht nur zu massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen sondern auch zu einer verminderten Lebenserwartung. Die Behandlung sollte immer so schnell wie möglich einsetzen.

Krankheitsbild und Verlauf

Das Krankheitsbild wird von einigen typischen Anzeichen geprägt, die ebenfalls bei verschiedenen anderen Erkrankungen auftreten. Dazu gehören vor allem die äußerst typische Gewichtszunahme, Kreislaufprobleme oder verminderte Leistungsfähigkeit. Da der Morbus Cushing so selten vorkommt, wird die richtige Diagnose oft erst sehr spät gestellt.

Schaut man sich an, welche wichtigen Aufgaben Cortisol im Körperstoffwechsel inne hat (vgl. Kasten), lässt sich leicht vorstellen, das ein ständig stark erhöhter Cortisolspiegel langfristig massive Folgen für die Gesundheit haben kann.

Typische Anzeichen & Beschwerden

Die Beschwerden sind einerseits von der Überproduktion des Stresshormons Cortisol verursacht, andererseits durch das Wachstum des Adenoms selbst, das gesundes Gewebe im Gehirn verdrängt.

Ein typisches Anzeichen ist vor allem eine starke Gewichtszunahme am Körperstamm mit gleichzeitig eher dünnen Armen und Beinen. Im einzelnen:

  • Starke Gewichtszunahme vor allem am Bauch (Körperstamm)
  • Dehnungsstreifen (breiter als 1 cm, teil mit kleinen Einblutung = erscheinen rot)
  • Muskelschwund an Armen und Beinen, Muskelschwäche vor allem an Gesäß und Oberschenkeln.
  • Muskelschwäche und Muskelkrämpfe durch zu niedrigeren Kaliumspiegel (vor allem gefährlich für den Herzmuskel).
  • Gerundetes Gesicht und vermehrte Fettansammlung im Nacken.
  • Bluthochdruck
  • Wassereinlagerungen in Geweben (Ödeme)
  • Knochenschwund (Osteoporose)
  • Hoher Blutzucker
  • Höhere Blutungsneigung, blaue Flecken, verschlechterte Wundheilung.
  • Psychische Probleme wie depressive Verstimmung, Konzentrationsstörungen.
  • Sehstörungen und Kopfschmerzen.
  • Bei Frauen: Zyklusstörungen

Diagnose Cushing-Syndrom

An der komplexen Regelung unseres Cortisolspiegels sind drei Hormondrüsen beteiligt: Neben der Hypophyse und den Nebennieren auch der Hypothalamus. An jedem dieser Punkte kann eine Störung vorliegen. Für die Diagnose des Morbus Cushing ist es deshalb wesentlich sicher zu stellen, dass die Ursache in der Überproduktion des ACTH liegt.

Cortisol Produktion

Dafür wird im ersten Schritt der sichere Nachweis eines erhöhten Cortisolspiegels gebraucht, der im Tagesverlauf stark schwankt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. (a) Bestimmung des Cortisolwertes aus dem über 24 Stunden gesammelten Urin, (b) Cortisolgehalt des Speichels (an zwei Abenden um ca. Mitternacht, dem Zeitpunkt des niedrigstens Cortisolgehaltes) oder (c) der Dexamethason-Hemmtest, bei dem ein dem Cortisol ähnlich wirkender Stoff als Tablette abends eingenommen wird, funktioniert die körpereigene Cortisolregelung, dann ist der Cortisolspiegel am nächsten morgen sehr niedrig.

ACTH und CRH Produktion

Ist ein erhöhter Cortisolspiegel nachgewiesen, muss nun mit spezialisierten Testverfahren die Ursache ermittelt werden. Dabei wird untersucht, ob die Überproduktion von Cortisol durch die Hypophyse (ACTH Überproduktion) oder den Hypothalamus (CRH Überproduktion) verursacht wird. Liegt ein Übermaß an ACTH vor, kann durch bildgebende Verfahren (zumeist MRT) ein Tumor an Nebennieren bzw. der Hypophyse gefunden werden. Ist eindeutig die Hypophyse betroffen, ist der Morbus Cushing sicher diagnostiziert.

Behandlung des Cushing-Syndroms

Operative Entfernung des Tumorgewebes

Die Wahl der Behandlung hängt von der Größe des Tumors ab. Grundsätzlich gilt, dass eine schnelle und vollständige operative Entfernung des Hypophysentumors das Mittel der Wahl ist, um den Hormonhaushalt binnen weniger Wochen wieder zu normalisieren.

Bei Tumoren bis 1 cm Größe ist eine erfolgreiche Entfernung sehr schonend über einen transsphenoidale Zugang möglich, das heißt durch die Nase bzw. Teile der Nasennebenhöhlen. Ist der Tumor größer als 1 cm, wird meist der operative Zugang über die Schädeldecke (transkranieller Zugang) gewählt.

Strahlentherapie

Möchte der Patient keine Opeartion oder für den Fall, dass der Tumor bereits so stark angewachsen sein sollte, dass durch die operative Entfernung angrenzendes Hirngewebe geschädigt würde, kann eine Strahlentherapie erfolgen. Sie ist auch angezeigt, wenn eine Operation nicht den gewünschten Erfolg haben sollte.

Wichtig zu wissen: Bei einer Strahlentherapie normalisiert sich der Hormonhaushalt deutlich langsamer. Aber langfristig können bei einem knappen Drittel der Behandelten auch normale Cortisolwerte erreicht werden.

Operative Entfernung der Nebennieren

Sollte sich mit den eben beschriebenen Methoden keine Normalisierung des Cortisolspiegels erreichen lassen, besteht noch die Möglichkeit, die Nebennieren zu entfernen. Das allerdings hat große Nachteile, denn zum einen ist man danach auf lebenslange Hormonersatztherapie angewiesen. Zum anderen hängen die Nebennieren mit der Hypophyse eng zusammen, durch den Ausfall kann es zu gravierenden Störungen der Hypophyse kommen. Dies sollte also nur im Notfall in Betracht gezogen werden.

Wichtig zu wissen - Ursache Medikamente

Das Cushing-Syndrom kann durch langfristige Medikamenteneinnahme verursacht werden, die zu einem stark erhöhten Cortisolspiegel im Blut führt.

Solche Medikamente werden bei einigen entzündlichen Erkrankungen verschrieben, zum Beispiel bei Rheuma oder Asthma. Ab einer bestimmten Dosis  besteht ein erhöhtes Risiko, die Symptome eines Cushing-Syndroms zu entwickeln. Dieser Schwellenwert wird als Cushing-Schwelle bezeichnet. Er liegt bei etwa 7,5–10 mg pro Tag.

Die durch eine ärztliche Therapie verursachte Erkrankung wird iatrogenes Cushing-Syndrom genannt.

Keine Therapie mit Medikamenten

Bisher ist es noch nicht gelungen, durch Medikamente die ACTH-Überproduktion der Hypophyse zu stoppen oder zu hemmen. Damit ist eine Behandlung nur durch den operativen Eingriff bzw. die Strahlentherapie möglich.

Erfolg kontrollieren & Begleiterkrankungen erkennen

Es gibt verschiedenen Untersuchungen, die im Rahmen der Behandlung und der Nachsorge wichtig sind:

Tumorgewebe an der Hypophyse kann zu Beeinträchtigungen des Sehnervs führen. Daher sollte der Augenarzt Kontrollen durchführen.

Mögliche Begleiterkrankungen sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden, z. B. Bluthochdruck oder Osteoporose. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Wird der Morbus Cushing erst spät erkannt, besteht das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Ein bestehender Diabetes Mellitus kann sich durch die Cortisolüberproduktion deutlich verschlimmern. Beides muss überprüft werden.

Regelmäßige Kontrolle des Cortisolspiegels gibt Auskunft über den Behandlungserfolg. Teilweise erholen sich die Hormondrüsen nur langsam (Hypocortisolismus) und das lebenswichtige Cortisol muss für diesen Zeitraum dann medikamentös ersetzt werden.

Wurde das Hypophysenadenom erfolgreich entfernt, sollten Kontrolluntersuchungen sicher stellen, dass kein erneutes Tumorwachstum auftritt. Denn in einem Viertel der Fälle kommt es zu erneuter Tumorbildung im Laufe von fünf Jahren.

Interessant zu wissen - Cortisol

Cortisol wird von den Nebennieren produziert, die oben auf den Nieren aufsitzen (s. Abbildung). Die Nebennieren haben nichts mit dem Wasserhaushalt zu tun sondern sie sind Hormondrüsen, die aus zwei Teilen bestehen.

Das innenliegende Nebennierenmark produziert z. B. das Adrenalin. Die außenliegende Nebennierenrinde produziert hingegen die sogenannten Glucocorticoide. Der Name dieser Hormongruppe setzt sich zusammen aus dem lateinischen Cortex = Rinde und Glucose = Zucker - diese Hormone beeinflussen also unseren Zuckerstoffwechsel.

Das wichtigste Glucocorticoidist das als Stresshormon bekannte Cortisol, das wesentlich an der Steuerung unseres Zuckerstoffwechsels und unserer Kreislauffunktionen beteiligt ist, aber auch entzündungshemmend, immunsuppresivund antiallergischwirkt.

Weithin bekannt ist die Behandlung von Allergien mit "Cortison", tatsächlich wirken in solchen Präparaten künstlich hergestellte Wirkstoffe, welche die glucocorticoideWirkung von Cortisol entfalten.

Interessant zu wissen - Wer ist betroffen?

In Deutschland sind insgesamt ca. 3.000 Menschen von Morbus Cushing betroffen. Die Erkrankung ist also äußerst selten, im Jahr erkranken ca. 80 bis 100 Personen.

Die meisten Patienten erkranken zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Diese Hypophysenerkrankungbetrifft Frauen 4 bis 5 mal häufiger als Männer.